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Ein Monat ohne Alkohol. Für viele ist der Dry January ein Selbstversuch, ein Reset nach den Feiertagen. Für manche Paare ist Alkohol jedoch längst kein Genussmittel mehr, sondern ein stiller Dritter in der Beziehung – einer, der langsam, aber nachhaltig alles zerstört.

Dass Alkohol eine Ehe nicht nur belasten, sondern auch rechtlich zu Fall bringen kann, zeigen zwei echte Fälle aus der Rechtsprechung. Ich habe sie bereits 2020 einmal aufgegriffen. Heute, im Kontext des Dry January, sind sie aktueller denn je.

 

Ein Glas Sekt – und alles kippt

Sie hatte es eigentlich geschafft. Jahrelang war sie „trocken“, hatte ihr Alkoholproblem im Griff. Dann kam dieses eine Glas Sekt – beim Frühstücksbuffet eines Wellnesshotels. Ein harmloser Moment, könnte man meinen. Doch genau dort begann der Absturz.

Von da an war nichts mehr wie zuvor. Die Frau trank wieder exzessiv, verschwand tagelang, hielt sich bei anderen Männern auf. Zu Hause versprach sie Besserung, versprach, keinen Alkohol mehr zu haben – und versteckte ihn trotzdem.

Der Alkohol fraß sich durch die Beziehung. Und auch der Mann überschritt Grenzen: Einmal schlug er sie mit einem Billardstock, mehrmals sperrte er sie im Schlafzimmer ein. Gewalt, Verzweiflung, Kontrollverlust – auf beiden Seiten

Als es wieder zu einem Rückfall kam, reichte es ihm. Er zog aus.

Die ersten Gerichte sagten: beide schuld. Der Oberste Gerichtshof sagte klar Nein. Der Alkohol war die Wurzel allen Übels. Er war die Hauptursache für das Scheitern der Ehe. Das überwiegende Verschulden traf die Frau (OGH 5 Ob 140/17z).

 

„Du hast doch gewusst, wie ich bin“

Im zweiten Fall war es der Mann, der trank. Drei- bis fünfmal pro Woche Bier, dazu immer wieder Schnaps. Kein Ausrutscher, kein Ausnahmezustand – sondern Alltag.

Seine Verteidigung vor Gericht: Seine Frau habe das schon vor der Hochzeit gewusst. Außerdem habe er hart gearbeitet, viel geleistet, ein Eigenheim aufgebaut. So schlimm könne sein Alkoholkonsum also nicht gewesen sein.

Doch das Gericht ließ diese Argumente nicht gelten. Denn es geht nicht darum, ob jemand fleißig ist oder Geld verdient. Es geht darum, wie sehr Alkohol eine Beziehung vergiftet.

Die Ehe wurde aus überwiegendem Verschulden des Mannes geschieden. Und das Höchstgericht stellte klar: Nur weil man eine Schwäche kennt, muss man sie nicht ertragen. Jeder Ehepartner darf erwarten, dass Gewohnheiten, die das Zusammenleben zerstören, zumindest eingeschränkt werden (OGH 1 Ob 69/20h).

 

Dry January – eine unbequeme Wahrheit

Der Dry January ist kein Allheilmittel. Aber er stellt eine ehrliche Frage:
Was passiert, wenn der Alkohol einmal weg ist?

Wird das Leben leichter – oder entsteht plötzlich Leere?
Wird die Beziehung ruhiger – oder zeigen sich Risse, die lange übertönt waren?

 

Die Gerichte sind hier erstaunlich klar: Übermäßiger Alkoholkonsum ist kein privates Laster, wenn er eine Ehe zerrüttet. Dann wird er zur schweren Eheverfehlung – mit rechtlichen Konsequenzen.

 

Manchmal beginnt Veränderung mit einem Monat ohne Alkohol.
Manchmal endet eine Ehe genau dort, wo man zu lange weggesehen hat.

Wenn Sie Fragen zu Scheidung, Verschuldensfragen oder familiären Konflikten haben, bin ich  gerne persönlich für Sie da.

 

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